BOS-Blogs (23): Kontakte durch das Bloggen geknüpft

21. Dezember 2011

Der “Special Agent Gibbs” im Interview

(sc). In loser Folge stelle ich Blogs und blog-ähnliche Seiten aus den Bereichen Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophen-/Zivilschutz vor. Heute stellt uns “Special Agent Gibbs” seinen Blog vor.

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BOS-Blogs (22): Durch das Bloggen viele Leute kennengelernt

23. November 2011

Die Bloggaspritze im Interview

(sc). In loser Folge stelle ich Blogs und blog-ähnliche Seiten aus den Bereichen Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophen-/Zivilschutz vor. Heute stellt uns Kathi alias Bloggaspritze ihren Blog vor, der sich neben Privatem und Beruflichen auch intensiv mit der Rettungsdienst-Blogosphäre auseinandersetzt, und sich zum Ziel gesetzt hat, (subjektive) Probleme der Rettungsdienstmitarbeiter zu thematisieren. weiter…

25 Jahre Großbrand von Schweizerhalle

5. November 2011

Es ist eine der wenigen Ereignisse aus meiner Kindheit, die sich in mein Hirn gebrannt haben und an die ich mich immer noch recht gut erinnere. Genauer gesagt erinnere ich mich an die Fernsehbilder. Ich rede von dem Großbrand auf dem Gelände der Firma Sandoz, der als Folge den Rhein rot färbte. Vor ein paar Jahren haben ich dazu eine Zusammenfassung für das Feuerwehr Weblog geschrieben, die ich an dieser Stelle erneut - und unverändert - publiziere.

Der Rhein ist r(t)ot

1986 war das Jahr der Katastrophen: der GAU in Tschernobyl und die Explosion der Challenger. Diese Unglücke waren weit weg, bis zum 1. November jedenfalls. An diesem Tag kam es zu einer Brandkatastrophe mitten im Herzen von Mitteleuropa: Schweizerhalle, Sandoz.

Halle 956 in Flammen

Es war kurz nach Mitternacht, als eine Polizeistreife ein Feuer in der Lagehalle 956 im Industriegebiet Schweizerhalle bei Muttenz (Kanton Basel-Landschaft) entdeckte. Die herbeigeeilte Werkfeuerwehr löste Großalarm aus. Feuerwehren aus der Umgebung und die Berufsfeuerwehr aus dem benachbarten Kanton Basel-Stadt rückten an. Etwa 160 Feuerwehrleute konnten das Feuer bis in die frühen Morgenstunden löschen.

Eine übel riechende Wolke zog über die angrenzenden Gemeinden und Basel hinweg. Außer Atemwegsbeschwerden und Augenentzündungen durch Phospor, Schwefel-, Stickstoff- und Kohlenoxyddämpfe gab es glücklicherweise keine Opfer.

Der Rhein färbt sich blutrot

Was nun folgte, war ein Schock für die Rheinanlieger. Mit dem Löschwasser wurden etwa 15 bis 40 Tonnen Schädlings- und Unkrautbekämpfungsmittel in den Rhein geschwemmt – darunter 34 verschiedene Giftstoffe, z.B. lebensgefährliche organische Qucksilberverbindungen.

Der Rhein bei Basel färbte sich rot. Die Konzentration der Giftstoffe war so hoch, dass noch im Mittel- und Unterrhein tausende Fische starben. Unter anderem wurden etwa 150.000 tote Aale aus dem Wasser gefischt. Das Trinkwasser entlang des Stroms wurde vorübergehend knapp. An manchen Stellen konnte bis zu drei Wochen lang kein Rheinwasser entnommen werden. Nach einer Woche erreichte der 70 Kilometer lange Giftteppich die Niederlande. Die Katastrophe erstreckte sich bis ins Wattenmeer.

Tschernobale

Das Unglück von Schweizerhalle war sicherlich nur der Medienstar unter den Chemiekatastrophen am Rhein – schon lange vorher galt er als Kloake. In den Medien wurde das Unglück als „Tschernobale“ oder „Bhobale“ bezeichnet (Bale ist das französische Wort für die Stadt Basel). Zudem lag das Unglück in einer Zeit gesteigerter Sensibilität der Umwelt gegenüber. Der Unfall erschütterte den Glauben an die Sicherheit der chemischen Industrie. Erst diese Katastrophe trug den Gewässerschutz ins Bewusstsein von Politik und Öffentlichkeit. Gleichzeitig war er Anlass zum Umdenken im Störfallschutz.

20 Jahre danach

Es hat beinahe zwei Jahrzehnte gedauert, bis der Rhein sich fast vollständig erholt hat. Umfangreiche Sanierungs- und Schutzmaßnahmen hoben die Wasserqualität. Die Grundbelastung mit vielen Schadstoffen liegt mittlerweile um siebzig Prozent unter dem Niveau vor der Katastrophe.

Einen wichtigen Beitrag zur Verringerung der Schadenswirkungen trug der Rhein selbst bei: im November 1986 führte er Niedrigwasser, und damit blieben die Seitenarme und Teile des Ufers von der Giftbrühe verschont. Ein ungewöhnlich starkes und lang anhaltendes Hochwasser im im darauf folgenden Jahr spülte den Rhein kräftig durch, und schwemmte viele Giftstoffe fort. 1992 zeigte der Rhein schon erste Anzeichen einer Besserung.

Die Rückkehr der Lachse ist ein Symbol der Gesundung. Mit 63 Arten ist die Fischfauna des alten Rheins fast wieder komplett. Nur der Stör fehlt noch. Essbar sind viele Fischarten wieder. Nur im Aal ist die Schadstoffbelastung noch zu hoch.

Bei den am Rhein ansässigen Unternehmen gibt es inzwischen ein Bewusstsein für die Risiken und auch eine große Angst davor, negativ in den Schlagzeilen zu landen. Deshalb wurden etwa 60 Milliarden Euro in Auffangbecken und Kläranlagen investiert. Das Wasser des Rheins wird besser als je zuvor überwacht.

Ursache

Obgleich vor wenigen Jahren Journalisten des ZDF behaupteten (Link), hinter dem Brand steckte die Stasi, um von Tschernobyl abzulenken, gilt die Ursache inzwischen als gesichert: Eine Palette mit mehreren Papiersäcken Berlinerblau wurde 31. Oktober 1986 in der Lagerhalle mit Folie überzogen. Obwohl auf dem Sicherheitsdatenblatt “Vermeidung des Kontaktes mit Zündquellen“ stand, brachte ein Arbeiter die Folie mittels Gasbrenner zum Schrumpfen. In der Nacht darauf stand die Halle in Flammen.

Berlinerblau (Pariser Blau, Eisencyanblau, Turnbulls Blau, Bronzeblau) war der erste moderne synthetische Farbstoff. Es ist ein lichtechtes, tiefblaues, mineralisches Pigment. Der Stoff glimmt über 12 Stunden rauchlos ohne Brandgeruchsemmissionen. Setzt man den Stoff hohen Temperaturen (über 140 °C) aus, können als Zersetzungsprodukte Blausäuredämpfe und Ammoniak entstehen. Der Stoff ist unter der Wassergefährdungsklasse 1 und somit als schwach wassergefährdend eingestuft. Er wird auch für den menschlichen Körper als untoxisch eingestuft.

Unzureichender Brandschutz

In der 4500 Quadratmeter großen Lagerhalle werden außer Berlinerblau auch 500 bis 1200 Tonnen Schädlings- und Unkrautbekämpfungsmittel gelagert. Obwohl der ursprüngliche Zwecke der Halle die Lagerung von Apparaten war, werden ab 1979 agrochemische Produkte und Chemikalien aufbewahrt. Außerdem hatte die Halle völlig ungenügende Brandschutzanlagen und keine Rückhalte- und Auffangbecken.

Feuerwehrleute verurteilt

Nach der Brandkatastrophe wurden zwei Feuerwehrleute verurteilt, die Löschwasser in den Rhein geleitet hatten. Der Firmenleitung von Sandoz war keine Verantwortung nachzuweisen. Sandoz zahlte 98 Millionen Franken Sanierungskosten und 43 Millionen (27 Millionen Euro) Franken Schadensersatz an die betroffenen Länder. Außerdem stellte die Firma damals 10 Millionen Franken für Forschungszwecke zur Verfügung.

Weiterführende Links:
swr.de
SWR (2011)
DRS
swissinfo
Frankfurter Rundschau
Wormser Zeitung
Wikipedia

BOS-Blogs (21): Der Arzt-Medizin-Satire-Musik-Blog

3. November 2011

(sc). In loser Folge stelle ich Blogs und blog-ähnliche Seiten aus den Bereichen Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophen-/Zivilschutz vor. Bisher habe ich das im Fwnetz getan. Heute stellt uns Wolfram “Chefarzt” Schweizer seinen Blog Monsterdoc vor. Er erzählt von den Inhalten seines Blogs und den Beiträgen, die er am Liebsten produziert.

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Rezension “Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz”

3. November 2011

Eigenverantwortung ist durch nichts zu ersetzen

(sc). Es kommt selten vor, dass das Vorwort eines Buches den wesentlichen Inhalt bzw. dessen Intention so komprimiert, pointiert und ermahnend wiedergibt, wie dies Lars Lorenzen im Roten Heft Nr. 95 „Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz“ darlegt.

Lorenzen formuliert die Intention seiner Schrift mit folgender These: „Neben einer Sicherheitstruppstrategie ist es zumindest ebenso wichtig, die Sinne aller Einsatzkräfte für eine erfolgreiche Unfallprävention im Atemschutzeinsatz zu schärfen.“ Anders formuliert, heißt dies, dass auch die beste Sicherheitstrupptaktik nicht die Grundlagen des Atemschutzeinsatzes ersetzt.

Diese Grundlagen, oder das Grundlagenwissen, bilden im Prinzip das Thema Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz. Denn nur das Beherrschen derselben vermeidet oder unterbricht eine Fehlerkette.

Lorenzen kategorisiert die Unfallfaktoren in fünf Aspekte – der sechste ist die Fehlerkette selbst. In seinen Ausführungen nimmt der Faktor „Mensch“ den größten Teil ein. Insbesondere verweist er immer wieder auf die in der Feuerwehrdienstvorschrift (FwDV) 7 formulierten Einsatzgrundsätze, die, trotz aller Kritik an der FwDV 7, deutlich zur Risikominimierung, und damit Unfallverhütung beitragen. Die weiteren Unfallfaktoren, Technik, Mission, Management und äußere Einflüsse legt er jeweils in eigenen Kapitel dar.

Doch auch wenn die menschlichen Fehlerquellen überwiegen – wie Lorenzen unter Rückgriff auf die Fehlerforschung in der Luftfahrt zeigt – gibt es eine ganze Menge, sich wiederholende technische Fehlerfaktoren, wie z.B. die falsche Fortbewegungsmethode, die Thematik Schutzkleidung oder die falsche Verlastung von Atemschutzgeräten. Dennoch – und dies betont Lorenzen mehrfach unter Verweis auf die FwDV 7 – Atemschutzgeräteträger handeln grundsätzlich eigenverantwortlich.

Andere Aspekte, wie der Einsatz selbst („Mission“) oder äußere Einflüsse, lassen sich zwar nicht kontrollieren, jedoch unter Zuhilfenahme, z.B. der Gefahrenmatrix, im Risiko minimieren.

Fehler der Führung – Lorenzen umschreibt dies mit dem Wort Management, um alle Führungs- und Verwaltungsebenen zu erfassen – lässt der Autor nicht unerwähnt, denn auch diese Entscheidungen sind Teil einer Fehlerkette und wirken auf die Unfallverhütung zurück.

Als Teil des Managments lässt sich indes auch die Atemschutzüberwachung (ASÜ) begreifen, auf die der Autor jedoch in einem eigenen Kapitel eingeht. Wohl deshalb, weil die ASÜ noch immer eine Stiefmutterdasein fristet. Lorenzen stellt nicht nur die Aufgaben der ASÜ dar, sondern – und das ist zentral – er zeigt die Irrelevanz einer rein zeitbasierten Überwachung. In dem Kontext mahnt er dann die obligatorische Festlegung des Rückzugdruckes an.

Das Thema Handhabung von Atemschutzgeräten greift Lorenzen explizit in einem eigenen Kapitel auf – auch hier betont Lorenzen die Eigenverantwortung und Eigeninitiative der Atemschutzgeräteträger.

Abschließend fordert Lorenzen indirekt eine zentrale Meldestelle für Atemschutzunfälle, er gibt aber auch Vorschläge, die zu einer Verbesserung der Qualität führen können. Hier nennt er erneut den Bereich Luftfahrt als Vorbild.

Mit dem Buch „Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz“ stellt Lorenzen in kompakter und übersichtlicher Weise die wichtigsten Aspekte bzw. häufigsten Fehler aus dem Bereich der Unfallverhütung im Bereich Atemschutz dar. Er bedient sich dazu zahlreichen Beispielen, Grafiken, Bilderserien, teilweise humoristisch formuliert. Deutlich sichtbar ist auch die in dem Buch verarbeitete Ausbildungs- und Einsatzerfahrung des Hamburger Brandamtmannes.

Der Wert des Buches liegt weniger in der Darlegung innovativer Konzepte, sondern in der kurzen lockeren und kompakten Darstellung von Themen, die aus der Atemschutzausbildung bekannt sein sollten. Dieser Darstellungsstil erleichtert die Rezeption außerordentlich, und macht das Buch für die Atemschutzgeräteträgerausbildung und -fortbildung nützlich.

Lorenzens Buch ist damit eine Pflichtlektüre für alle Atemschutzgeräteträger und Atemschutzausbilder sowie alle anderen mit dem Aspekt Atemschutz befassten Aufgabenbereiche, die eine Wiederauffrischung ihres Wissens und besonders eine Erinnerung an das Thema Eigenverantwortung benötigen. (Autor: Stefan Cimander)

Lars Lorenzen: Die roten Hefte Nr. 95: Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz, 1. Aufl., Stuttgart 2011: Kohlhammer Verlag. 102 S.: Ill., graph. Darst.

Diese Rezension erschien auch auf dem Internetportal www.innenangriff.com.

Mercedes und Metz eine Wahlverwandschaft

18. April 2011

Snippets von der Retro Classics (5): Daimler-Benz-Metz Feuerwehrfahrzeuge

DL 25 auf Daimler-Benz mit Aufbau von Metz der Feuerwehr Schwäbisch Gmünd, Bj. 1959, im Einsatzdienst bis 1987.

DL 25 auf Daimler-Benz mit Aufbau von Metz der Feuerwehr Schwäbisch Gmünd, Bj. 1959, im Einsatzdienst bis 1987.

(sc). Es gibt Dinge, die sind so wie sie sind. Wir nehmen sie hin, weil es immer schon so war. Verschwinden sie, dann fragen wir auch nicht mehr danach. Vielleicht gehört eine Episode aus der Feuerwehrfahrzeuggeschichte auch zu diesen „Dingen“. Jedes Feuerwehrfahrzeug besteht aus – wenn wir es einfach halten – zwei Komponenten: Chassis und Aufbau. Die Hersteller und Konstrukteure der beiden Komponenten lassen sich in Deutschland an einer Hand abzählen. Dennoch haben wir es mit einer großen Varianten- und Kombinationsvielfalt zu tun. Das war nicht immer so.

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Die Wiege der MAN-LKW liegt am Bodensee

12. April 2011

Snippets von der Retro Classics (4): MAN-Saurer

(sc). Feuerwehrfahrzeuge von MAN besitzen keine mit Magirus oder Daimler-Benz vergleichbare Tradition – so scheint es zumindest. Das Miteinander von MAN und Feuerwehr war nämlich von wechselvollem Verhältnis. Wer im Übrigen von MAN-Lastwagen spricht, muss auch den Namen Saurer erwähnen. Denn MAN nahm 1915 mitnichten von selbst die Produktion von LKW auf – und das in doppeltem Sinne.

Für das deutsche Militär hatten Lastkraftwagen im 1914 vom deutschen Kaiserreich entfesselten Weltenbrand strategische Bedeutung. Aus diesem Grund richtete die oberste Heeresleitung – sozusagen die deutsche Militärregierung – die Aufforderung an die deutsche Industrie, LKW zu bauen.

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„Leider nur wenige Einsätze“

5. April 2011

(sc). Ich weiß nicht, wie es euch geht, wenn ihr in der Zeitung oder auf den Webseiten der Feuerwehren die Zusammenfassungen der Haupt- und Jahresversammlungen lest, und Wehrleiter oder Schriftführer die Einsätze des vergangenen Jahres Revue passieren lassen. Bei dem Partikel „nur“, und besonders dann wenn noch ein „leider“ davor steht, krampft sich ganz tief in meinem Bauch etwas zusammen.

„Im vergangenen Jahr rückte die Feuerwehr leider nur zu 12 Einsätzen aus“ oder „Die Feuerwehr war im letzten Jahr nur 24 mal gefordert“, … Alles nur, oder was? Der Fokuspartikel „nur“ drückt Betonung oder Einschränkung der Satzteilaussage, im Kontext der Einsatzhäufigkeit der Feuerwehr drückt er die Verminderung einer quantitativen Aussage aus. Soweit zur Grammatik.

„Nur“ klingt für mich im Zusammenhang mit Einsatzzahlen irgendwie, meinem Bauchgefühl nach, unpassend. Grammatikalisch mag der Partikel richtig gesetzt sein, aber „nur“ klingt für mich immer nach „wir hatten zu wenig Einsätze“. So eine Interpretation kann aber nicht im Interesse der Öffentlichkeitsarbeit bzw. der Außenwahrnehmung einer Feuerwehr sein.

Besser finde ich persönlich Formulierungen, die entweder auf das „nur“ verzichten oder es zusammen mit einem positiv besetzen Adverb benutzen. „Im letzten Jahr rückte die Feuerwehr (leider nur) zu 12 Einsätzen aus“ ist eine wertende Aussage, die – für mich – oben genannte Interpretation hervorruft. Ersetzt man „leider“ durch sein Antonym „glücklicherweise“, bekommt der Satz eine ganz andere, positive Färbung. „Im letzten Jahr rückte die Feuerwehr (glücklicherweise nur) zu 12 Einsätzen aus“. Natürlich lässt sich auf wertende Aussage auch gänzlich verzichten. Solch positive Aussagen lesen die Bürger nicht nur lieber, sie konterkarieren in terminologischer Form gleichzeitig Vorurteile, die Bürger vereinzelt gegenüber der Feuerwehr erheben, Stichwort „Einsatzgeilheit“.

Warum dieser Exkurs in die deutsche Sprache? Seit einiger Zeit reden wir in der Feuerwehr vermehrt über die Außenwahrnehmung durch den Bürger in Zeiten knapper Kassen und über Gemeindegrenzen hinausgetragene Streitigkeiten. Ich möchte mit meinem kleinen Sprachbeispiel deshalb aufzeigen, dass schon ein einzelnes Wort an der falschen Stelle eine genauso verheerende Wirkung entfalten kann, wie die Androhung eines Streiks. Nicht von ungefähr beschäftigen große Feuerwehren sprachgewandte Pressesprecher und Unternehmen PR-Strategen, die genau aufpassen, welche Formulierung, in welchem Kontext, welche Auswirkung haben kann.

Das überraschende Ergebnis einer “Recherche”

1. April 2011

Schon mehrfach habe ich hier und auch an andere Stelle darüber geschrieben, dass ich einen Berg an Textfragmenten auf meinem Computer gespeichert habe. Mit Fragmenten meine ich Texte, die ich im Laufe der letzten fünf Jahre erstellt habe, die aber nie über das Entwurf- oder Notizstadium hinausgekommen sind.

Absichtlich mache ich das natürlich nicht, aber jedes Mal verhinderte ein Umstand die Fertigstellung des Textes. Aber soweit will ich nicht ausholen. Ich schreibe derzeit, wie ihr mitbekommen habt, eine kleine Serie über die Geschichte im Feuerwehrfahrzeugwesen, die ihren Ursprung auf dem Besuch der Retro Classics 2011 hat. Das Thema Feuerwehrfarbe, Blaulicht und Folgetonhorn ist auch ein Thema. Nun erinnerte ich mich daran, dass ich nach der Retro Classics 2008 (!) schon einmal einen Text über dieses Thema schreiben wollte.

Den Text habe ich nie veröffentlicht, weil er ja nicht so richtig fertig war. Also dachte ich mir, ich kann die paar Notizen nehmen, und einfach einen kurzen knackigen Text schreiben. Mit wenig Aufwand wollte ich also einen Text in der Mini-Serie platzieren. Ihr ahnt es bestimmt schon. Aus meinem Ansinnen wurde nichts. Ich habe den „Text“ gestern Abend auf meiner Festplatte gesucht und auch gefunden, nur was ich nach dem Öffnen erblickte, versetzte mich ein wenig ins Grübeln, und ließ mein ursprüngliches Vorhaben in den Hintergrund treten: Der Text von 2008 ist nämlich schon zu 80 Prozent fertig! Ich muss eigentlich nur noch ein paar Hinweisen nachgehen, dann wäre ich fertig. Der Grund, weshalb ich an dem Textfragment damals nicht weiterarbeitete, war und ist ziemlich einleuchtend: Mir fehlte der Zugang zu einigen Quellen. In der letzten Woche habe ich aber eine (kostenpflichtige) Quelle aufgetan. Es kann also theoretisch weitergehen. Mit einem schnellen Veröffentlichungstermin ist trotzdem nicht zu rechnen.

Retro-Snippets (3): Einheitsfahrzeuge

28. März 2011

Vereinheitlichung der Feuerwehrfahrzeuge

LF 25 der Feuerwehr Stuttgart

(sc). Äußerlich deutlich sichtbares, gleichwohl symbolisches Zeichen der Vereinheitlichung der Feuerwehrfahrzeuge in Deutschland, war die tannengrüne Farbe der Feuerschutzpolizei. Regte Branddirektor Maximilian Reichen (BF Hannover) schon 1911 eine Normierung bestimmter Teile an, so gelang die Durchsetzung von Normen erst in der Zeit des Nationalsozialismus. Es war aber keineswegs so, dass die Nationalsozialisten die Feuerwehrnomen erfunden haben. Bereits 1920 gründete sich der „Fachausschuß für die Normung der Feuerwehrgeräte“ (FEN), der sich gleich dem Normenausschuss der Deutschen Industrie (NDI) anschloss. Fünf Jahre später gab es die ersten Normblätter für Handdruckspritzen, Drehleitern, Druckschläuche und Druckkupplungen. Im Gegensatz zu heute, waren die Normen damals unverbindliche Empfehlungen. Wie Manfred Gihl bemerkt, hielten sich die Feuerwehren nur bei den Drehleitern weitgehend an die Norm – allerdings beschäftigte sich diese mit nicht mehr als dem maximalen Neigungswinkel und den Belastungsgrenzen der Leitertypen, schreibt Hasemann.

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